Unter den Boden damit!

Tunnelpläne in Davos?

Ein Chiavi-Interview von Barbara Gassler, Davoser Zeitung, 11. März 2011:

Die am Nordrand des Schwarzwalds gelegene Kurstadt Baden-Baden mit rund 50 000 Einwohnern ist sein Vorbild. Da hat der 1989 eröffnete, rund 2500 Meter lange Michaelistunnel die Innenstadt vom Verkehr befreit. Eine ähnliche Lösung schwebt dem Raum- und Farbphysiologen Erich Chiavi auch für Davos vor.

Keine neue Strasse oder Veränderung der bestehenden sieht diese Vision vor. Der Verkehr soll einfach unter den Boden verlegt werden.

«Flims hat als Tourismusort stark vom 2007 eröffneten Flimserstein-Tunnel profitiert, und Saas und Küblis stehen kurz vor der Umfahrung durch Tunnels», zählt der international als  Wahrnehmungsphysiologe tätige Davoser Erich Chiavi auf. Von seinem am Hang liegenden Haus schweift der Blick uneingeschränkt über den Talboden mit seinen Häusergruppen und den Freiflächen dazwischen.

Für ihn ist klar: Auch in Davos liegt die Zukunft unter dem Boden. «Ich will den Davosern Mut machen. Denn wenn  wir nichts tun, führt das zum Stillstand», sagt er und zeigt eine Karte von Davos, auf der ein langer roter Strich den möglichen Streckenverlauf eines Tunnels aufzeigt.

«Tunnelbauen ist heute kein Problem mehr, und das Materialien Davos ist leicht zu bearbeiten», entgegnet er auf den Einwand, dass genau diese Idee schon mehrfach portiert und als zu teuer wieder verworfen worden sei.

Jedem sein Auto

Doch eigentlich geht es ihm nicht nur um die Verkehrsführung unter dem Boden, in seiner Vision werden auch gleich mehrere Parkhäuser in den Untergrund gegraben, möglichst mit direktem Zugang zu den wichtigen Punkten wie den großen Hotels, Kongress- und Sportzentrum und Bergbahnen.

Denn mit seiner Idee zielt er in einer ersten Runde zuerst einmal auf Tagestouristen, Kongress- und Veranstaltungsteilnehmer, will aber auch Parkraum für andere schaffen. «Die Parkplätze vor dem Haus reichen schon lange nicht mehr», stellt er fest und erzählt von jenen Wohnungsbesitzern, bei denen von vier Personen auch jede mit dem Auto anreise. «Das ist inzwischen normal, die Leute wollen mit dem Auto nach Davos fahren», ist er überzeugt. Bei ihrer Ankunft sollen sie dann aber schon vorne am See in den Untergrund geleitet werden und da schon möglichst bald ihr Fahrzeug stehen lassen.

Dazu schwebt ihm je eine unterirdische Parkierung bei den Parsenn- und Jakobshornbahnen und noch eine weitere irgendwo dazwischen auf der Höhe des Sportzentrums vor. «Der Tunnelbau selber müsste vom Kanton finanziert werden und für die Anbindung an den Ort und die unterirdische Infrastruktur braucht es eine unternehmerische Beteiligung auch von privater Seite.»

Park statt Parkplatz

Was er hier präsentiere, sei eine Vision, ist sich Chiavi im Klaren: «Doch stellen Sie sich vor, an der Promenade flanieren, sitzen und bummeln zu können. Anstatt Parkplätze wieder Parks zu haben!» Davos habe immer mehr ältere Gäste, welche genau diese Möglichkeit schätzen würden, behauptet er und meint, es müsse etwas geschehen: «Wenn wir weiter so bauen und verdichten, werden uns die Gäste bald sagen, dass es wie in einer Stadt sei und sich fragen, weshalb sie überhaupt hierherkommen sollten.»

Die Verantwortlichen sollten sich einmal die Baden-Badener Lösung anschauen, empfiehlt er und wischt jedes Stirnrunzeln mit einem Lächeln und einem Zitat von George Bernard Shaw vom Tisch: «Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben.»

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Über Erich Chiavi

Raum- und Farbphysiologie
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